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Wann der Verkauf privater Gegenstände über eBay umsatzsteuerpflichtig wird

Wenn Sie gelegentlich private Gegenstände über eBay oder auf einem Flohmarkt verkaufenb, so üben Sie noch keine gewerbliche Tätigkeit aus. Für den Verkauf privater Gebrauchsgegenstände muss keine Einkommensteuer gezahlt werden. Anders aber bei der Umsatzsteuer: jede nachhaltige Tätigkeit zur Erziehlung von Einnahmen unterliegt der Umsatzsteuer. Selbst dann, wenn keine Absicht besteht Gewinne zu erzielen. Sobald Sie den Grenzwert für Kleinunternehmer von 17.500€ im Jahr überschreiten sind Sie verpflichtet Umsatzsteuer zu zahlen.

Verkaufen bei eBay mehrere Personen unter einem gemeinsamen Namen (= über den gleichen Nickname bzw. das gleiche Pseudonym) Gegenstände und nutzen dabei nur ein Nutzerkonto, so ist nur der Inhaber dieses eBay-Nutzerkontos als umsatzsteuerlicher Unternehmer zu behandeln.
Es muss also nur derjenige die Umsätze versteuern, der gegenüber eBay als Inhaber des Nutzerkontos auftritt (Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 19.12.2013, 1K 1939/12).

Daran ändert sich auch dann nichts, wenn der Meistbietende nach Ablauf der Bieterphase darüber informiert wird, wer der eigentliche Verkäufer gewesen ist, z. B. durch Versand der Ware oder durch ein Bestätigungsschreiben.

Praxis-Beispiel (Urteilsfall):
Ein Ehepaar hatte insgesamt über 1.200 Verkäufe der verschiedensten Gegenstände über ein Nutzerkonto bei eBay abgewickelt. Dieses war auf den Namen des Ehemannes angelegt. Die Gegenstände gehörten teils dem einen, teils dem anderen Ehegatten und teils beiden Ehegatten gemeinsam. Da diese Verkäufe umsatzsteuerpflichtig waren, hatte das Finanzamt beide Ehegatten gemeinschaftlich zur Umsatzsteuer herangezogen. Das Finanzgericht bestätigte zwar die Umsatzsteuerpflicht, hob aber die Umsatzsteuerbescheide auf, weil nur der Ehemann umsatzsteuerlicher Unternehmer war, nicht aber die Ehegatten gemeinsam.
Hinweis: Nach Ablauf der Verjährungsfrist hat das Finanzamt keine Möglichkeit mehr, Umsatzsteuerbescheide gegenüber dem Ehemann zu erlassen.

Mein Tipp: das Finanzamt kontrolliert regelmäßig die Verkaufsaktivitäten bei eBay. Falls die Finanzverwaltung umfangreiche Verkäufe feststellt, wendet es sich direkt an eBay, um weitere Detailinformationen zu erhalten. Unter diesem Aspekt kann es sinnvoll sein, den Verkauf auf verschiedene Familienmitglieder zu verteilen und für jeden ein eigenes eBay-Nutzerkonto einzurichten. Veräußert dann jeder seine eigenen Gegenstände, wird in den meisten Fällen der Grenzwert von 17.500 € im Jahr für Kleinunternehmer nicht überschritten, sodass keine Umsatzsteuer anfällt.