Vorsteuerabzug: Wann es sich lohnt, im EU-Ausland billiger zu tanken

In einigen EU-Ländern, die an Deutschland angrenzen, liegen die Benzinpreise deutlich niedriger als in Deutschland. Wer in Grenznähe lebt, z. B. nach Österreich, kann diesen Preisvorteil für sich nutzen. Allerdings ist der Nachteil, dass es den Vorsteuerabzug nur für inländische Umsatzsteuer gibt.

Nur unter bestimmten Voraussetzungen haben Unternehmer in Deutschland die Möglichkeit, sich die im Ausland gezahlte ausländische Umsatzsteuer erstatten zu lassen. Das geschieht über das Bundeszentralamt für Steuern. Ob der Unternehmer sich die Vorsteuer vergüten lassen kann, hängt von den Regelungen des jeweiligen Landes ab, in dem die Kosten angefallen sind.

Tanken Sie beispielsweise in Österreich, so sieht die Situation wie folgt aus:

Die österreichische Umsatzsteuer kann in Deutschland nicht als Vorsteuer abgezogen werden. Dieser fehlende Vorsteuerabzug ist ein erheblicher Nachteil, der beim Tanken in Österreich in Kauf genommen werden muss.

Zahlen Sie z. B. in Deutschland für einen Liter Benzin 1,40 €, können Sie daraus ein Vorsteuerabzug von 0,22 € geltend machen. Die Preisersparnis gegenüber Österreich muss somit mehr als 0,22 € betragen, damit sich das Tanken in Österreich lohnt. Bei einer geringeren Preisdifferenz hat das Tanken in Österreich keine Vorteile.

Unternehmer, die ihren Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben, können sich die ausländische Vorsteuer aus einem anderen EU-Land vergüten lassen. Der Antrag auf Vorsteuervergütung kann nur in dem EU-Land gestellt werden, in dem der Unternehmer ansässig ist. Ein Unternehmer mit Sitz in Deutschland, muss seinen Antrag über das elektronische Portal des Bundeszentralamts für Steuern einreichen. Diese Anträge müssen bis spätestens 30.09. des Folgejahres gestellt werden.

Bevor ein Erstattungsantrag gestellt wird, sollte zunächst geprüft werden, ob eine Steuererstattung überhaupt möglich ist. Das Umsatzsteuerrecht innerhalb der EU ist weitgehend harmonisiert, jedoch gibt es beim Vorsteuerabzug zum Teil abweichende Regelungen. Konsequenz: Sie bekommen nur die Umsatzsteuer erstattet, die in dem entsprechenden Land als Vorsteuer abziehbar wäre.

In Österreich berechtigen die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Anschaffung (Herstellung), Miete oder dem Betrieb von PKW, Kombinationskraftwagen oder Krafträdern nicht zum Vorsteuerabzug. Das bedeutet, dass ein österreichischer Unternehmer die Vorsteuer aus den Benzinkosten in Österreich nicht als Vorsteuer geltend machen kann. Damit entfällt auch für den deutschen Unternehmer, der in Österreich tankt, die Möglichkeit, sich die Vorsteuer aus den Benzinkosten erstatten zu lassen.
Ausnahmen sind: Fahrschulfahrzeuge, Vorführfahrzeuge und Kraftfahrzeuge, die ausschließlich zur gewerblichen Weiterveräußerung bestimmt sind, sowie Fahrzeuge, die zumindest zu 80 % der gewerblichen Personenbeförderung oder der gewerblichen Vermietung dienen. Liegt eine derartige Nutzung vor, kann auch eine Vorsteuervergütung beantragt werden.

Mein Tipp
Sollten Sie den Vorsteuerabzug für Fahrzeuge geltend machen, die zum Vorsteuerabzug berechtigten, ist es im Interesse einer zügigen Verfahrensabwicklung – insbesondere im Vorsteuererstattungsverfahren – sinnvoll, bereits bei der Antragstellung gemeinsam mit den Rechnungen auch die Unterlagen (z. B. Kopie des Kfz-Briefes) einzureichen. Aus der Kopie des Kfz-Briefs muss eindeutig hervorgehen, dass es sich um eines jener Fahrzeuge handelt, für das der Vorsteuerabzug in Österreich nicht ausgeschlossen ist.

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