Verpflegungspauschale: wann die Pauschale bei Flugreisen nicht gekürzt wird

Wenn Sie als Arbeitgeber für Ihren Arbeitnehmer die Kosten für eine Mahlzeit übernehmen, ist dafür kein geldwerter Vorteil als Arbeitslohn zu versteuern, soweit Ihr Arbeitnehmer Anspruch auf eine Verpflegungspauschale hat. Allerdings werden die Verpflegungspauschalen gekürzt, wenn Ihr Arbeitnehmer von Ihnen (oder auf Ihre Veranlassung von einem Dritten) eine Mahlzeit erhält. Die Kürzung wird von der vollen Verpflegungspauschale berechnet. Diese beträgt bei einer Inlandspauschale 20% für ein Frühstück = 24 € x 20% = 4,80 € und 40% für ein Mittag- oder Abendessen = 24 € x 40% = 9,60 €.

Zu den Mahlzeiten, die Sie als Arbeitgeber Ihrem Arbeitnehmer kostenlos zur Verfügung stellen, gehören auch die Snacks, die im Beförderungspreis enthalten sind, also kostenlos bei einer Beförderung mit dem Flugzeug, dem Schiff oder der Bahn angeboten werden. Eine Kürzung der Verpflegungspauschale erfolgt nur dann, wenn es sich bei der Mahlzeit um ein Frühstück, Mittag- oder Abendessen handelt (BMF-Schreiben vom 19.05.2015, Az. IV C 5 – S 2253//15/10002).

Bei einem Snack, der als Mahlzeit einzustufen ist und zu allen Tageszeiten gleich ist (z. B. Sandwich), entscheidet alleine der Zeitpunkt, zu dem das Essen verzehrt wird, darüber, ob es sich dabei um ein Frühstück, Mittag- oder Abendessen handelt. Dieses würde dann mit 4,80 € oder mit 9,60 € angerechnet werden.

Kaffee und Kuchen am Nachmittag gehören somit nicht zum Essen dazu, sodass eine Kürzung der Verpflegungspauschale in diesem Fall nicht erfolgt. Auch die kleinen Tüten mit Nüssen, Salzgebäck, Müsliriegel oder vergleichbare andere Knabbereien, die z. B. auf innerdeutschen Flügen oder Kurzstrecken-Flügen gereicht werden, erfüllen nicht die Kriterien für eine Mahlzeit, sodass auch hier eine Kürzung unterbleibt.

Beispiel:
Nach einem Geschäftsessen mit einem Geschäftspartner fliegt der GmbH-Geschäftsführer um 14.00 Uhr von München nach Berlin. Da er nachweisen kann, dass er bereits ein Mittagessen zu sich genommen hat, kann ihm der Snack, der im Beförderungspreis enthalten ist, nicht als Mittagessen zugerechnet werden.

Mein Tipp
Letztlich müssen Sie als Arbeitgeber beurteilen, ob und inwieweit die angebotenen Speisen nach ihrem jeweiligen Umfang und der Tageszeit tatsächlich an die Stelle einer Mahlzeit (Frühstück, Mittag- oder Abendessen) treten. Fliegt Ihr Arbeitnehmer zu einer Zeit, an der es kein Frühstück, Mittag- oder Abendessen gibt, z. B. am Nachmittag zwischen 15.00 Uhr und 17.00 Uhr, ist der Snack nicht als geldwerter Vorteil zu versteuern und die Pauschale nicht zu kürzen. Es ist ebenfalls kein geldwerter Vorteil zu versteuern, wenn es sich nur um Salzgebäck, Müsliriegel oder vergleichbare Knabbereien handelt.

Hinweis: Wenn Sie sich als Freiberufler/Unternehmer selbst auf eine Geschäftsreise begeben, gilt für Sie dasselbe. Der Unterschied besteht nur darin, dass Sie die Kosten der Verpflegung nicht aus dem Flugpreis heraus rechnen müssen (4,80 € für ein Frühstück und 9,60 € für ein Mittag- oder Abendessen).

Stellungnahme:
Nach dem BMF-Schreiben vom 24.10.2014 (IV C 5 – S 2353/14/10002, 2014/0849647) gehören zu den Mahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) auch die Snacks, die unentgeltlich bei einer Beförderung (z. B. im Flugzeug) angeboten werden, also im Flugpreis enthalten sind. Das heißt, dass der Unternehmer (ebenso wie der Arbeitnehmer) bereits dann eine Mahlzeit erhält, wenn ihm während einer auswärtigen Tätigkeit ein Snack oder Imbiss zur Verfügung gestellt wird.

Aus diesem BMF-Schreiben, das nur Reisekostenabrechnungen von Arbeitnehmern behandelt, ergeben sich für den Unternehmer selbst andere Konsequenzen. Im Beförderungspreis von Flügen können Mahlzeiten enthalten sein, ohne dass die Fluggesellschaft dafür einen Kostenteil ausweist. Es müssen dann die Kosten für eine Mahlzeit pauschal aus dem Flugpreis heraus gerechnet werden, wie dies auch bei einer Übernachtung mit Frühstück der Fall ist.

Bei innerdeutschen Flügen unterliegt das Beförderungsentgelt der Umsatzsteuer mit 19%. Das ist derselbe Steuersatz, der auch bei den Mahlzeiten anzuwenden ist. Das heißt, dass der Unternehmer, der zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, die ausgewiesene Umsatzsteuer insgesamt als Vorsteuer abziehen kann.

Beispiel:
Ein Freiberufler aus Köln unternimmt eine Geschäftsreise nach Berlin. Er fliegt morgens nach Berlin und am Abend wieder zurück. Für den Hin- und Rückflug zahlt er 178,50 €. Während des Fluges erhält er (ohne zusätzliche Berechnung) jeweils ein Sandwich mit einem Getränk. Seit dem 1.1.2015 sieht die Situation wie folgt aus:

Kosten für den Flug (brutto)                                                          178,50 €

Vorsteuerabzug (178,50 € : 119 x 19 =)                                          28,50 €

Kosten für den Flug (netto)                                                           150,00 €

abzüglich Frühstück (24 € x 20% =)        – 4,80 € – 0,76 € USt =     4,03 €

abzüglich Abendessen (24 € x 40% =)     – 9,60 € – 1,53 € USt =   8,07 €

abziehbare Flugkosten (Reisekosten)                                          137,90 €

Der Gesamtbetrag ist somit wie folgt zu buchen:

28,50 € auf das Konto Vorsteuerabzug

12,10 € (4,03 € + 8,07 €) auf das Konto Privatentnahme

137,90 € auf das Konto Reisekosten/Fahrtkosten Unternehmer

Zusätzlich kann der Unternehmer eine Verpflegungspauschale in Höhe von 12 € geltend machen, weil er mehr als 8 Stunden auswärts tätig ist.

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Ein Gedanke zu „Verpflegungspauschale: wann die Pauschale bei Flugreisen nicht gekürzt wird

  1. tduda

    Diese Regelung zeigt wie verrückt das Steuerrecht ist. Es zeigt auch, dass Ministerialbürokraten und Finanzverwaltungsbeamte der Lebenswirklichkeit recht weit entrückt sind. Hier wird für ein Frühstück im Mittelsitz der Economy Klasse mit einem Mini-Brötchen, einer Scheibe Salami, einem 50g Joghurt, einem kleinen Stück Butter, einer kleinen Portion Marmelade ud einer „halbe“ Tasse Kaffee die gleich hohe Kürzung der Tagespauschale verlangt wie für ein 30Euro Frühstück im 5 Sterne Hotel.

    Welche Art von Bewusstseinsstörung muss jemand haben der sich das ausdenkt?

    Antworten

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