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Wann sind Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit steuerfrei?

Neben dem Grundlohn gewährte Zuschläge sind steuerfrei, wenn sie für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gezahlt werden. Werden allerdings Bereitschaftsdienste pauschal vergütet, ohne dass es darauf ankommt, ob die Tätigkeit an einem Samstag oder Sonntag erbracht wird, handelt es sich bei dieser Pauschalvergütung nicht um steuerfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit im Sinne des § 3b Abs. 1 EStG (BFH-Urteil vom 20.11.2016, VI R 61/14).

Praxis-Beispiel:
Eine Klinik zahlte ihren Ärzten pauschale Vergütungen, ohne dass es im Einzelnen darauf ankam, ob es sich tatsächlich um begünstigte Zeiten im Sinne des § 3b Abs. 2 EStG handelte. Erst im Nachhinein wurden aus den geleisteten Bereitschaftsdienstzeiten die begünstigten Zeiten herausgerechnet und die Zahlungen hierfür als steuerfrei behandelt.
Die Vergütung war somit Teil einer einheitlichen (erhöhten) Entlohnung für die gesamten Bereitschaftsdienste, bei der auch die Erschwernisse der Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit einbezogen waren. Bei derartigen Zahlungen handelt es sich nicht um steuerfreie Zuschläge im Sinne des § 3b Abs. 1 EStG. Vielmehr hatten diese Vergütungen den Charakter einer generell erhöhten Entlohnung.

Steuerfrei können nur Zuschläge sein, die zusätzlich zum Grundlohn gezahlt werden.
Der Grundlohn ist der laufende Arbeitslohn, der dem Arbeitnehmer für die maßgebende regelmäßige Arbeitszeit im jeweiligen Lohnzahlungszeitraum zusteht. Der laufende Arbeitslohn ist von sonstigen Bezügen abzugrenzen.
Laufender Arbeitslohn ist das dem Arbeitnehmer regelmäßig zufließende Arbeitsentgelt (Monatsgehalt, Wochen- oder Tageslohn, Überstundenvergütung, laufend gezahlte Zulagen oder Zuschläge und geldwerte Vorteile aus regelmäßigen Sachbezügen), der ggf. in einen Stundenlohn umzurechnen ist.

Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist, dass die Zuschläge neben dem Grundlohn geleistet werden. Sie dürfen nicht Teil einer einheitlichen Entlohnung für die gesamte, auch an Sonn- und Feiertagen oder nachts geleistete Tätigkeit sein.

Wichtig! Die Steuerbefreiung greift nur, wenn die neben dem Grundlohn Zuschläge für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gezahlt werden. Dafür sind grundsätzlich Einzelaufstellungen der tatsächlich erbrachten Arbeitsstunden an Sonntagen, Feiertagen oder zur Nachtzeit erforderlich.

Damit ist von vornherein gewährleistet, dass ausschließlich Zuschläge steuerfrei bleiben, bei denen betragsmäßig genau feststeht, dass sie nur für die Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gezahlt werden. Daran fehlt es jedoch, wenn die Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit lediglich allgemein abgegolten wird, da hierdurch weder eine Zurechnung der tatsächlich geleisteten Arbeit während begünstigter Zeiten noch die Steuerfreistellung nach %-Sätzen des Grundlohns möglich ist.

Mein Tipp
Um Lohnzuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit steuerfrei behandeln zu können, dürfen keine undifferenzierten Pauschalvergütungen vereinbart werden. Vielmehr müssen Einzelaufstellungen über die tatsächlich erbrachten Arbeitsstunden an Sonntagen, Feiertagen oder zur Nachtzeit gemacht werden. Anhand dieser Einzelaufstellungen können die steuerfreien Zuschüsse zum Grundlohn ermittelt werden.