Nachträgliche Schuldzinsen: Übersetzung „BFH“ in „normales Deutsch“

Nachträgliche Schuldzinsen: Abzug als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung

Für die Berücksichtigung nachträglicher Schuldzinsen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung kommt es darauf an, wie der Erlös aus der Veräußerung einer Immobilie, die mit einem Darlehen fremdfinanziert worden ist, verwendet wird.

Originalwortlaut BFH:

„Die nicht durch eine tatsächliche Verwendung begründete (angebliche) Reinvestitionsabsicht des Veräußerungserlöses in ein noch zu erwerbendes Vermietungsobjekt reicht nicht aus, um der Surrogationsbetrachtung zu genügen und den notwendigen wirtschaftlichen Zusammenhang der Schuldzinsen mit der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung zu begründen.“ (BFH-Urteil vom 6.12.2017, IX R 4/17)

Meine Übersetzung:

Wird das Darlehen nicht getilgt, können die Zinsen weiterhin als Werbungskosten abgezogen werden, wenn der Veräußerungserlös für die Anschaffung eines neuen Vermietungsobjekts verwendet wird. Allerdings reicht allein die Absicht, ein neues Vermietungsobjekt anzuschaffen, nicht aus, um den notwendigen wirtschaftlichen Zusammenhang der Schuldzinsen mit den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zu begründen (BFH-Urteil vom 6.12.2017, IX R 4/17).

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Ein Gedanke zu „Nachträgliche Schuldzinsen: Übersetzung „BFH“ in „normales Deutsch“

  1. Elisabeth Strohwick

    Sehr geehrter Herr Krudewig,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich hatte so einen Fall mal mit einem Immobilienfonds bearbeitet. Der der Verkauf war im Jahr 2007. Der Veräußerungspreis des Gebäudes hat nicht die Darlehen ablösen können bzw. nur zum Teil. Meine Mandanten konnten jedoch aus dem Immobilienfonds nicht raus, da sie ja noch an den Darlehen beteiligt waren. Es gab Nachschussforderungen (ich glaube es war 2013) von über 130.000 €, welche meine Mdt. an den Insolvenzverwalter des Immobilienfonds zahlen mussten und auch bezahlt haben. Diese beinhalteten einen enormen Zinsbetrag (von 2007 bis 2013). Diese Zinsen, welche in den 130.000 € enthalten waren, habe ich anteilig mit der Veräußerungsquote gegenüber dem Finanzamt geltend gemacht und mich auf diese, damals gültige Rechtsprechung berufen. Es erfolgte eine Steuerrückerstattung von ca. 20.000 € für meine Mandanten. Nun finde ich es schlimm, dass der BFH seine Rechtsprechung diesbezüglich geändert hat. Ich frage mich, wenn jemand einen derartigen Verlust erlitten hat, mit einer Immobilie, ob er dann noch in der Lage ist/will/oder kann, eine weitere Immobilie anzuschaffen, damit die Zinsen aus dem Verlustgeschäft geltend gemacht werden können. Oder habe ich hier etwas fasch verstanden?

    Mit freundlichen Grüßen
    Elisabeth Strohwick

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