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Investitionsabzugsbetrag darf in Folgejahren aufgestockt werden

Für geplante Investitionen können Sie Ihren Gewinn vorab mindern und zwar bis zu einer Höhe von maximal 40% der voraussichtlichen Investitionskosten. Zur Bildung eines Investitionsabzugsbetrags ist allein die Absicht ausreichend, innerhalb der nächsten 3 Jahre abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens anschaffen zu wollen.

Wenn Sie einen Investitionsabzugsbetrag für ein Wirtschaftsgut beantragt haben, so können Sie diesen in einem Folgejahr innerhalb des dreijährigen Investitionszeitraums bis zum gesetzlichen Höchstbetrag aufstocken (BFH-Urteil vom 12.11.2014, X R 4/13). Das BMF-Schreiben vom 20.11.2013 Randziffer 6 (IV C 6 -S 2139-b/07/10002) ist insoweit überholt.

Sie müssen den Investitionsabzugsbetrag also nicht von vornherein für das richtige Wirtschaftsgut in der maximalen Höhe geltend zu machen. Ein Investitionsabzugsbetrag kann im Jahr nach der Bildung weiter aufgestockt werden.

Praxis-Beispiel:
Ein Unternehmer möchte sich im Jahr 2016 einen Firmenwagen anschaffen, der voraussichtlich 40.000 € kosten wird. Die private Nutzung wird nicht mehr als 10% betragen. Daher kann der Unternehmer bereits für das Jahr 2014 einen Investitionsabzugsbetrag von 40.000 € x 40% = 16.000 € bilden.
Nach dem BFH-Urteil vom 12.11.2014 darf der Unternehmer den Investitionsabzugsbetrag im Jahr 2014 auf einen Teilbetrag begrenzen (z. B. auf 10.000 €) . Er hat dann die Möglichkeit den Investitionsabzugsbetrag für das Jahr 2015 um 6.000 € auf 16.000 € zu erhöhen.

Mein Tipp:

Haben Sie einen Investitionsabzugsbetrag nicht voll ausgeschöpft, dann dürfen Sie nach dem vorgenannten BFH-Urteil die Differenz ganz oder teilweise in einem Folgejahr nachholen. Erhöhen sich die voraussichtlichen Anschaffungskosten, können Sie beantragen, dass der Investitionsabzugsbetrag für die Differenz in einem späteren Jahr anerkannt wird.
Oft dauert es einige Zeit, bis die Finanzverwaltung die neue BFH-Rechtsprechung umsetzt. Sollte das Finanzamt also die Aufstockung nicht anerkennen, sollten Sie dagegen – unter Hinweis auf das BFH-Urteil – Einspruch einlegen und eine Aussetzung der Vollziehung beantragen.

Investitionsabzugsbetrag bei der Umwandlung einer GbR in eine GmbH

Gerne möchte ich eine aktuelle Kundenanfrage mit Ihnen teilen. In dem konkreten Fall stellt sich die Frage was nach der Umwandlung einer GbR in eine GmbH mit dem Investitionsabzugsbetrag passiert, den die GbR zuvor gebildet hat.

Wenn der Investitionsabzugsbetrag im Rahmen der Umwandlung aufgelöst werden müsste, würde dies eine beachtliche Steuerbelastung auslösen.

Bei einer Umwandlung einer GbR in eine GmbH gehen Sie daher mit bereits gebildeten Investitionsabzugsbeträgen wie folgt vor:

1) Zurzeit liegen Revisionsverfahren beim BFH vor, bei denen es um die Fortführung des Investitionsabzugsbetrags in den Fällen einer Umwandlung im Sinne der §§ 20 und 24 des Umwandlungssteuergesetzes geht (Az. beim BFH: GrS 2/12). Der große Senat des BFH wird immer dann angerufen, wenn die einzelnen Senate des BFH keine einheitliche Auffassung vertreten bzw. vertreten haben. Wie der große Senat letztendlich entscheiden wird, lässt sich zurzeit noch nicht sagen.

Der Sachverhalt bei dem Revisionsverfahren wird unter dem Az. GrS 2/12 geführt.

2) Wenn das Finanzamt die Investitionsabzugsbeträge bei der GbR auflösen will, sollten Sie beim Finanzamt unter Hinweis auf das Revisionsverfahren beantragen, dass die Investitionsabzugsbeträge von der GmbH übernommen werden (ggf. vorläufig bis zur Entscheidung durch den BFH).

3) Sollte das Finanzamt darauf nicht eingehen, müssen Sie gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und beantragen, das Einspruchsverfahren bis zur Entscheidung des BFH ruhen zu lassen. Wenn Sie Nachzahlungen vermeiden wollen, müssen Sie gleichzeitig eine Aussetzung der Vollziehung beantragen.

Aufstockung Investitionsabzugsbetrag (IAB)

Der Investitionsabzugsbetrag kann im Folgejahr aufgestockt werden

Wenn Sie als Unternehmer oder Freiberufler die Anschaffung eines beweglichen Wirtschaftsguts planen, dann können Sie Ihren Gewinn vorab um 40% der voraussichtlichen Anschaffungskosten mindern. Erhöhen sich die voraussichtlichen Anschaffungskosten im Folgejahr, kann der Investitionsabzugsbetrag entsprechend aufgestockt werden.

Es kann steuerlich sinnvoll sein, wenn Sie zunächst einen geringeren Investitionsabzugsbetrag bilden, der dann im Folgejahr aufgestockt wird. Dies ist nach dem Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts vom 19.12.2012 (2 K 189/12) zulässig.

Dieses Urteil ist plausibel, weil die gesetzliche Regelung keine Einschränkungen enthält. Die Finanzverwaltung lehnt allerdings nach wie vor eine nachträgliche Aufstockung ab. Daher hat das Finanzamt Revision beim BFH eingelegt (X R 4/13).

Praxis-Beispiel:
Ein Unternehmer plant im Jahr 2015 die Anschaffung eines Firmenwagens, der voraussichtlich 50.000 € kosten wird. Die private Nutzung wird nicht mehr als 10% betragen. Daher kann der Unternehmer bereits im Jahr 2013 einen Investitionsabzugsbetrag von 50.000 € x 40% = 20.000 € bilden.

Nach dem Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts darf der Unternehmer den Investitionsabzugsbetrag im Jahr 2013 auf einen Teilbetrag (z. B. auf 10.000 €) begrenzen und hat dann die Möglichkeit den Investitionsabzugsbetrag im Folgejahr (2014) um weitere 10.000 € auf 20.000 € zu erhöhen.

Mein Tipp:
Haben Sie einen Investitionsabzugsbetrag nicht voll ausgeschöpft, dann dürfen Sie nach dem Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts die Differenz ganz oder teilweise nachholen. Falls das Finanzamt die Erhöhung im Folgejahr ablehnt, sollten Sie Einspruch einlegen und eine Aussetzung der Vollziehung und des Einspruchsverfahrens beantragen.

Für den Investitionsabzugsbetrag ist kein Fahrtenbuch erforderlich

Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung. Das interessierte den Betriebsprüfer, mit dem ich zuletzt zu tun hatte, offensichtlich überhaupt nicht. Er hat den Investitionsabzugsbetrag für die Anschaffung des Firmen-PKW gestrichen, weil nach seiner Auffassung der Umfang der betrieblichen Fahrten zwingend mit einem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch nachgewiesen werden müsse.

Es ist zwar richtig, dass im Jahr der Investition und im Folgejahr der Firmenwagen tatsächlich zu mindestens 90% betrieblich genutzt werden muss. Das Gesetz verlangt aber nicht, dass dieser Nachweis nur mit einem ordnungsgemäßen Fahrtenbuch geführt werden kann. Der Nachweis ist daher auch mithilfe anderer Aufzeichnungen möglich, z. B. durch Auflistung aller betrieblichen Fahrten und der gefahrenen Kilometer eines Jahres. Auch repräsentative Aufzeichnungen über 3 Monate können ausreichend sein.

Konsequenz: Die Alternative „Fahrtenbuch oder 1%-Methode“ gilt nicht für den Investitionsabzugsbetrag. Es reicht somit aus, dass die betrieblichen Fahrten (wie auch immer) aufgezeichnet werden.