Außergewöhnliche Belastung: Kosten für den behindertengerechten Umbau einer Dusche abziehbar

In seinem Urteil vom 19.03.2014 (1 K 3301/12) hat das Finanzgericht Baden-Württemberg entschieden, dass die Aufwendungen für den behindertengerechten Umbau einer häuslichen Duschkabine in voller Höhe als außergewöhnliche Belastung in Abzug gebracht werden können.

Beispiel:
Die Klägerin, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, ließ für 5.736 € die Duschkabine in ihrer Eigentumswohnung so umbauen, dass sie bodengleich begehbar war und mit einem Rollstuhl befahren werden konnte. Wegen dieser Umbauarbeiten musste die Dusche neu gefliest werden, wobei auch die Armaturen und die Tür der Duschkabine erneuert wurden. Da im Zeitpunkt des Umbaus keine Pflegestufe für die Klägerin bestand, lehnte die Pflegekasse die Übernahme der Umbaukosten ab.

Das Finanzamt war der Auffassung, dass nur ein geringer Teil der Aufwendungen (ca. 500 € für Duschelement, Ablauf, Rostrahmen, Unterbau und Bodenfliesen) als krankheitsbedingte außergewöhnliche Belastung abgezogen werden dürfen. Den Abzug der übrigen baulichen Maßnahmen lehnte das Finanzamt ab, weil diese nicht durch die Behinderung verursacht worden seien.

Das Finanzamt lehnte es ab, die Baumaßnahme in einzelne Aufwandposten aufzuteilen. Im Gegensatz zum Finanzamt betrachtet das Finanzgericht alle Aufwendungen als eine Gesamtmaßnahme die insgesamt durch die Behinderung verursacht ist.

Abziehbar sind deshalb auch die notwendigen Folgekosten für die Wandfliesen, die Tür und die Armaturen, die durch den Ausbau der alten Duschwanne beschädigt worden und an die neue Tiefe der Dusche anzupassen waren. Das Finanzgericht hielt es nicht für erforderlich, ein Sachverständigengutachten zur Quantifizierung der behinderungsbedingten Mehrkosten einzuholen.

Fazit: Wenn der Umbau der Dusche durch die Behinderung verursacht sind, dann sind auch alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Umbau erstehen durch die Behinderung verursacht und damit abzugsfähig.

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