Arbeitgeberdarlehen: Zinsvorteil als geldwerten Vorteil versteuern

Wenn der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer im Rahmen eines Darlehensvertrags Geld überlässt liegt ein Arbeitgeberdarlehen vor. Bei diesem Vorgang handelt es sich nicht um eine Lohnzahlung, da der Arbeitnehmer das Darlehen zurückzahlt.

Wurde zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Zinssatz vereinbart, der unter dem marktüblichen Zins liegt, muss der Arbeitnehmer dieses als geldwerten Vorteil (Sachbezug) erfassen (BMF-Schreiben vom 19.05.2015, IV C 5 – S 2334/07/0009). Bei Reisekostenvorschüssen oder vorausgezahltem Auslagenersatz handelt es sich nicht um ein Arbeitgeberdarlehen.

Ermittlung des geldwerten Vorteils
Gewährt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein Darlehen und wird dafür ein marktüblicher Zinssatz vereinbart, dann liegt kein geldwerter Vorteil vor.
Es entsteht nur dann ein geldwerter Vorteil, wenn der vereinbarte Zinssatz unter dem marktüblichen Zins liegt.

Zinsvorteile, die der Arbeitnehmer durch ein Arbeitgeberdarlehen erhält, sind Sachbezüge. Diese Sachbezüge müssen nicht versteuert werden, wenn die Summe der noch nicht getilgten Darlehen am Ende des Lohnzahlungszeitraums nicht mehr als 2.600 € beträgt.

Praxis-Beispiel:
Die von der Bundesbank aufgeführten Zinssätze sind je nach Verwendung des Darlehens unterschiedlich hoch und abhängig von der Art des Kredits, z. B. Wohnungsbaukredit, Konsumentenkredit, Ratenkredit, Überziehungskredit usw.

Da es sich um Sachzuwendungen handelt, kann der geldwerte Vorteil nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei bleiben, wenn dieser Vorteil im Monat nicht mehr als 44 € beträgt. Es ist aber zu beachten, dass die Freigrenze von 44 € im Monat für alle Sachzuwendungen zusammen gilt.

Wie die beiden Zinssätze im folgenden Beispiel zeigen, ist ein Spielraum vorhanden, der so genutzt werden kann, dass der Grenzwert von 44 € im Monat nicht überschritten wird. Die Gestaltungsmöglichkeiten hängen ab von der Darlehenshöhe und dem Zinssatz der zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart ist. Es lohnt sich, Vergleichsrechnungen durchzuführen, wenn auf diese Weise die Lohnsteuer- und Sozialversicherungsfreiheit sichergestellt werden kann.

Damit deutlich wird, welche Auswirkungen eintreten können, sind im nachfolgenden Beispiel zwei Varianten nebeneinander dargestellt. Es sind Monatsbeträge berechnet, damit erkennbar ist, wann der geldwerte Vorteil (= Sachbezug) lohnsteuerfrei gewährt wird und wann der Grenzwert überschritten wird.

Praxis-Beispiel:
Ein Unternehmer gewährt seinem Arbeitnehmer ein Arbeitgeberdarlehen in Höhe von 18.000 €. Es wird ein Zinssatz von 2% (alternativ 1,0 %) vereinbart. Die Zinsen sind monatlich zu zahlen. Wenn man die Konditionen für einen Konsumentenkredit zugrunde legt, ist wie folgt zu rechnen:

  • Ein üblicher Endpreis kann sich aus dem Angebot eines Kreditinstituts am Abgabeort ergeben. Das BMF lässt allerdings zu, dass bei der Ermittlung des marktüblichen Zinssatzes die Effektivzinssätze zugrunde gelegt werden können, die von der Deutschen Bundesbank bei Vertragsabschluss zuletzt veröffentlicht wurden. Diese Zinssätze können abgerufen werden unter: Deutsche Bundesbank / Einlagen- und Kreditzinssätze 
  • Gemäß § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG ist eine Sachzuwendung mit den (um die üblichen Preisnachlässe geminderten) üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Arbeitgeber mit diesen Sachen gegenüber Dritten handelt oder nicht. Bei einem Darlehen ist von einem üblichen Endpreis auszugehen, wenn der vereinbarte Zinssatz mit dem Maßstabszinssatz vergleichbar ist. Davon können gemäß § 8 Abs. 2 EStG pauschal 4% abgezogen werden.
  • Bei Darlehen über 2.600 € richtet sich die Höhe des Sachbezugs, der als Arbeitslohn anzusetzen ist, entweder nach § 8 Abs. 3 EStG oder aber nach § 8 Abs. 2 EStG.
  • Ab dem Monat Mai 2015 ist kein geldwerter Vorteil mehr zu erfassen.
  • Tilgung Januar bis April 2015 = 4 x 150 € = – 600 €
  • Ein Arbeitgeber hat seinem Arbeitnehmer ein Darlehen gewährt, das dieser monatlich mit einem Betrag von 150 € tilgt. Das Darlehen hatte am 1.1.2015 einen Stand von 3.200 €. Maßgebend ist aber nicht der Stand am Ende oder Beginn eines Jahres, sondern die Höhe des Darlehens am Ende des Lohnzahlungszeitraums. Lohnzahlungszeitraum ist in der Regel der Monat, sodass wie folgt zu rechnen ist:
  • ist dann als geldwerter Vorteil zu erfassen. Maßgebend ist der durchschnittliche Zinssatz, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber für die gesamte Laufzeit vereinbart haben, es sei denn sie haben einen variablen Zinssatz vereinbart.
  Beispiel Alternativ-Beispiel
Darlehenshöhe 18.000 € 18.000 €
vereinbarter Zinssatz 2 % 1,0 %
durchschnittlicher Zinssatz lt. Deutscher Bundesbank  4,45 %  4,45 %
abzüglich 4% 0,18 % 0,18 %
anzusetzender Zinssatz 4,27 % 4,27 %
Zinsverbilligung 2,27 % 3,27 %
Betrag pro Monat 34,05 € 49,05 €
Konsequenzen: die 44 €-Grenze wird nicht überschritten; es handelt sich um eine lohnsteuerfreie Zuwendung die 44 €-Grenze wird überschritten; es handelt sich um steuerpflichtigen Arbeitslohn

Als üblicher Endpreis kann auch der günstigste Preis für ein vergleichbares Darlehen zu Grunde gelegt werden. Dabei können auch die allgemein zugänglichen Internetangebote (z. B. die Internetangebote von Direktbanken) einbezogen werden, so wie sie ohne individuelle Preisverhandlungen im Zeitpunkt der Vertragsabschlusses angeboten werden (Zeitraum von 10 Tagen vor und 10 Tagen nach Vertragsabschluss). Ein pauschaler Abschlag von 4% kommt dann allerdings nicht infrage.

Pauschale Besteuerung mit 30%: Der Arbeitgeber kann den Wert von betrieblich veranlassten Sachzuwendungen, die er seinem Arbeitnehmer zusätzlich zum Arbeitslohn zukommen lässt, gemäß § 37b EStG pauschal mit 30% versteuern.

Praxis-Beispiel:
Ein Unternehmer gewährt seinem Arbeitnehmer ein zinsloses Arbeitgeberdarlehen, das zu einem Zinsvorteil von 76 € pro Monat = 912 € im Jahr führt. Die Freigrenze von 44 € pro Monat gemäß § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG wird überschritten. Damit gewährt er seinem Arbeitnehmer einen geldwerten Vorteil (= Sachbezug), der als Arbeitslohn zu versteuern. Da der Arbeitnehmer den Zinsvorteil zusätzlich zu seinem Arbeitslohn erhält, kann der Arbeitgeber die 76 € pro Monat bzw. 912 € pro Jahr gemäß § 37b EStG pauschal mit 30 % versteuern. Mit Solidaritätszuschlag und pauschaler Kirchensteuer liegt die Pauschalsteuer knapp über 300 €.

Der Zinsvorteil fließt dem Arbeitnehmer zum Fälligkeitstermin zu. Bei einem zinslosen Darlehen fließt der Zinsvorteil in dem Zeitpunkt zu, in dem das Entgelt üblicherweise fällig wäre. Das ist in der Regel der Zeitpunkt, in dem die jeweilige Tilgungsrate (ggf. als Abzug vom Arbeitslohn) geleistet wird. Wird das Arbeitgeberdarlehen ohne Tilgungsleistung als endfälliges Darlehen vereinbart, ist zu entscheiden, ob der Zinsvorteil am Ende der Laufzeit oder monatlich, vierteljährlich oder jährlich zufließt. Da grundsätzlich die Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entscheidend sind, sollte in dem Vertrag über das Arbeitgeberdarlehen hierzu eine Vereinbarung getroffen werden.

Sicherheiten/Grundbucheintragungen: Ob Sicherheiten zu stellen sind, richtet sich in der Regel danach, was Banken üblicherweise gegenüber ihren Kunden verlangen. Bei einem Konsumentenkredit oder Ratenkredit werden meist keine Sicherheiten verlangt. Allerdings wird ein Wohnungsbaukredit regelmäßig durch die Eintragung einer Grundschuld im Grundbuch abgesichert. Für die Bestellung einer Grundschuld fallen Kosten und Gebühren des Grundbuchamts und des Notars an.

Verzichtet der Arbeitgeber auf die Bestellung einer Grundschuld, führt dies bei seinem Arbeitnehmer zu einem geldwerten Vorteil in Höhe der ersparten Kosten und Gebühren des Grundbuchamts und des Notars. Dieser Betrag kann mithilfe eines Rechners im Internet ermittelt werden. Handelt es sich um einen Wohnungsbaukredit von 100.000 €, dann fallen für die Eintragung einer Grundschuld rund 900 € Kosten und Gebühren an. Dieser geldwerte Vorteil fließt dem Arbeitnehmer mit der Auszahlung des Darlehns zu. Im Gegensatz dazu werden Kosten, die bei einer späteren Löschung anfallen würden, nicht als geldwerter Vorteil erfasst.

Kostenloser E-Mail Newsletter! Tragen Sie sich ein und ich sende Ihnen jede Woche einen aktuellen Steuertipp per E-Mail zu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.